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B.&C. – Sucre und La Paz

B. Sucre – offizielle Hauptstadt von Bolivien

Morgens um 4.30 Uhr kamen wir im Dunkeln in Sucre am Terminal de Bus an. Wie man sich vorstellen kann, nicht die geschickteste Zeit, um schwer bepackt nach mäßigem Schlaf im Bus in einer Stadt aufzuschlagen. Zusammen mit einem französischen Pärchen machten wir uns im Taxi auf den Weg in die Innenstadt in der Hoffnung, ein schon früh geöffnetes Cafe zu finden. Darauf mussten wir allerdings leider bis nach 7 Uhr warten. In der Zwischenzeit plauderten wir ein wenig mit den beiden Franzosen und wurstelten ein wenig am Laptop mit Bildern aus der Uyuni-Tour. Immer mehr Straßenhunde gesellten sich zu uns, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, auf uns aufzupassen und alles, was sonst noch vorbeikam (Menschen, Tiere, Autos, …) laut ankläfften.

Ziemlich ausgekühlt gönnten wir uns dann um 7.30 Uhr ein Frühstück mit warmem Kaffee und Tee und trödelten damit so lange herum, dass wir im Anschluss zu unserem AirBnB laufen konnten. Die Stadt wachte langsam auf und die weißen Fassaden gefielen uns auf Anhieb. Ein süßes Städtchen, das versucht auf Sauberkeit zu achten und durch strenge Bauvorschriften den Titel des Unesco Weltkulturerbes nicht zu verlieren. Unsere Unterkunft lag ein klein wenig den Hügel hinauf und wir schnauften ganz schön. Die Luft in diesen Höhen (Sucre 2.800 m) ist sehr dünn und man kann sich das nur schwer vorstellen, wenn man es nicht schon erlebt hat, wie schwer einem auch bei kleinsten Anstrengungen das Atmen fällt. Wir genossen den Ausblick über die Stadt und durften tatsächlich schon direkt um 9 Uhr in unsere kleine Unterkunft einziehen. Endlich hatten wir mal wieder Zeit, mit zu Hause zu telefonieren. Der Versuch, den verpassten Schlaf nachzuholen, misslang etwas, da während unseres Aufenthalts Bauarbeiten im Garten stattfanden und wir nicht recht zur Ruhe kamen.

So machten wir uns dann gegen Mittag auf den Weg in die Stadt, schlenderten über den Mercado Central, machten einen kleinen Einkauf und ließen die Stadt auf uns wirken. Im Obergeschoss des Mercado gefielen uns die lokalen kleinen Mittagsküchen so gut, dass wir uns einmal „Pollo Picante“ teilten und uns vornahmen wieder zu kommen.

Abends machten wir es uns gemütlich bei Serien und selbständigem Kochen und begannen, die Eindrücke der letzten Wochen zu verarbeiten.

Für den nächsten Tag stand Sightseeing an und wer uns kennt, weiß, dass wir zu allererst versuchten, uns von oben einen kleinen Überblick zu verschaffen, und so liefen wir zunächst zu „La Recoletta“, einem kleinen Platz vor einem Kloster, auf dem sich die Jugend trifft und der einen schönen Säulengang mit traumhaftem Blick über die Stadt hat. Das Museum hatte leider über Mittag geschlossen und so zog es uns über einen kleinen touristischen Souvenirmarkt zurück in die Stadt hinunter, wo wir in einem kleinen Mercado landeten und bei traumhaftem Ausblick unter Einheimischen Mittagessen genießen durften. Die Preise sind ähnlich – oder sogar günstiger – als in Südostasien und wir genießen es sehr, unter den Einheimischen das echte Leben mitzugehen.

Nach dem Mittagessen suchten wir eine ganze Weile den Eingang zum Kloster „San Felipe de Neri“, von dem wir wussten, dass man aufs Dach klettern konnte für einen tollen Rundumblick auf Sucre. Letztendlich zeigten uns ein paar einheimische Frauen die Klingel und wir stiegen voller Vorfreude im Innenhof des Klosters die Stufen bis aufs Dach hinauf. Aus diesem Blickwinkel wurde sehr deutlich, warum Sucre auch die weiße Stadt genannt wird.

Der dritte Tag ging für Organisatorisches drauf, weitere Buchungen und Tickets am Busbahnhof abholen stand auf dem Programm. Man kann sich nicht vorstellen, wie viel Zeit man braucht, um am etwa 1,5 km entfernten Busbahnhof 2 Tickets für die Fahrt nach La Paz zu kaufen: Erst der 3. Geldautomat funktioniert, bis man aus 100 Busanbietern einen passenden gefunden hat, vergeht ebenfalls fast 1 Stunde und der Weg über die Hügel zieht sich und bringt einen ins Schnaufen.

Am letzten Tag durften wir nach dem Auschecken den ganzen Tag über noch die Gemeinschaftsräume nutzen, was sich als wirklich praktisch herausstellte. Wir verbrachten die erste Hälfte des Tages mit Buchungen und ausgiebigem Frühstück. Gegen Nachmittag trafen wir uns mit Danielle & Jonathan zum Kaffee in der Stadt und machten noch einen Abstecher zum kleinen Eiffelturm von Sucre. Dieser wurde tatsächlich vom Erbauer des Originals hier errichtet für damals Prinz und Prinzessin, die Heimweh hatte. Etwas anders wurde uns oben auf der kleinen Plattform, weil wir realisierten, dass wir in nicht einmal mehr 2 Monaten unseren letzten Stopp in Paris beim echten Eiffelturm haben werden.

Wir verabschiedeten uns von Danielle und Jonathan in dem Wissen, sie 2 Tage später in La Paz wiederzusehen und kochten ein letztes Abendessen, bevor es in den Nachtbus ging. Danielle schenkte Miri eine ihrer Kuscheldecken für den Bus. Diese sollte sich aber als überflüssig herausstellen. Der bisher nobelste Bus war komplett überheizt, Miri schlug die kurvige Strecke auf Magen und Kreislauf und auf Matze tropfte die halbe Nacht das Kondenswasser des Dachfensters. Eine unschöne Nacht lag also hinter uns, als wir dieses Mal gegen 7 Uhr am Terminal de Bus in La Paz ankamen. Noch schnell einen Bus 3 Tage später nach Copacabana gebucht und schon saßen wir im Taxi in die Innenstadt zum Hostel.

C. La Paz – eigentliche Hauptstadt von Bolivien

Gegen einen kleinen Aufpreis durften wir schon früher in unser Zimmer einchecken und so konnten wir bis zum Frühstück noch eine Stunde Schlaf nachholen. Der erste Eindruck von La Paz war kein guter – die Straßen sind verstopft vom Verkehr, es ist laut, stinkig und dreckig. Glücklicherweise bestätigte sich dieser Eindruck nicht: La Paz liegt auf 3640 m und hat ca 10 Millionen Einwohner. Das Zentrum liegt in einem Talkessel umgeben von Bergen, die komplett von Häusern bedeckt sind. Die Häuser sind aus roten Backsteinen gebaut, meist nicht verputzt und fügen sich so gut in das Landschaftsbild im beeindruckenden Bergpanorama. Da U-Bahnen in den Bergen nicht funktionieren würden, wurden in den letzten Jahren mehrere Gondeln erbaut, die die verschiedenen Hügel und Seiten von La Paz miteinander verbinden.

Was wir in den knapp 3 Tagen in La Paz gemacht haben:

  • Mercado Lanza: Zum Essen eine Wucht, zum Einkaufen etwas schmuddelig. Dennoch ein typischer bolivianischer Großmarkt und einen Besuch wert.
  • Kili Kili Viewpoint: Bietet einen tollen Ausblick über die Stadt und ist vom Zentrum aus zu Fuß erreichbar und die Anstrengung des Aufstieges wert.
  • Witch-Market: eher enttäuschend und ein ziemlich touristischer Souvenir-Markt. Für echten Schwarz-Markt und schwarze Kunst gibt es diverse Touranbieter – hierfür war für uns die Zeit zu knapp.
  • Jean Calle – ein nettes kleines Gässchen, in dem keine Autos erlaubt sind und das zum Schlendern einlädt, wenn man sowieso am Plaza Murillo vorbeikommt. Der Marktplatz ist beeindruckend und umgeben vom Regierungspalast. Die Taubenscharen machen es einem etwas schwer, zu entspannen. Die Uhren laufen hier in die andere Richtung.
  • San Francisco Kirche lag direkt neben unserer Unterkunft
  • Comercio Calle ist ebenfalls Fußgängerzone und vollgestopft mit Kruschtläden und kleinen Imbisswägen und –ständen.
  • Telegrafico – die CableCars der Stadt laden wegen ihrer günstigen Preise zum Fahren ein. Für uns ein Highlight, auf diese Weise eine City-Tour von oben zu erhalten. Innerhalb von wenigen Minuten fährt man nach El Alto auf über 4000 m und hat einen fantastischen Blick über das im Kessel liegende Zentrum der Stadt und die umliegenden schneebedeckten Berge.
  • Luciernagas – tolles, etwas abgelegenes bolivianisches Restaurant – geführt von einem Niederländer mit bolivianischer Frau. Wir hatten ausgezeichnetes landestypisches Essen in toller Atmosphäre und können das Restaurant bedingungslos weiterempfehlen. Vorsicht, die Portionen sind riesig.

Den letzten gemeinsamen Abend mit Danielle und Jonathan verbrachten wir in eben diesem oben genannten Restaurant und nahmen danach noch einen Absacker im English Pub in der Nähe unserer Hostels. Dann hieß es Abschied nehmen – wir hoffen, die beiden im Spätsommer in Tübingen begrüßen zu dürfen, wenn der Europa-Teil ihrer Reise ansteht.

Unser Hostel in La Paz war leider kein Glücksgriff. Es befand sich neben zwei Diskotheken in einer von stinkenden Autos und Bussen dauerverstopften kleinen Straße. Die Lage war zwar zentral, aber der Lärm bei Nacht und der Gestank bei Tag machten uns das Leben schwer. Zu Beginn unserer Reise hätte uns das bestimmt den kompletten Schlaf gekostet, mittlerweile stellt man sich besser auch auf widrige Umstände ein und so machten wir das Beste draus.

Dreimal dürft ihr raten, wo wir gerade sind ??? …

…. Genau. Natürlich mal wieder im Bus am Blogschreiben. Die Höhe macht uns heute auch während der Fahrt zu schaffen und während wir diese Zeilen ins Netbook tippen, taucht links der erste Ausläufer des Titicaca-Sees auf. Noch grob eine Stunde, dann sind wir da.

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Bis bald, hasta luego.

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