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2. Iguazu und Mendoza

Im Moment sitzen wir schon wieder im Flugzeug und verlassen Puerto Iguazu (die argentinische Stadt bei den weltberühmten Wasserfällen). Beim gemütlichen Frühstück auf der Terrasse unserer schönen kleinen Cabana traf es uns plötzlich wie ein Schlag: Per E-mail meldete sich Aerolineas Argentinas mit der Nachricht „Tu vuelo cancelado“. Auch ohne Übersetzer-App war uns sofort klar, was da passierte. Noch bevor wir richtig begriffen hatten, was da passiert war, zeigte die „CheckMyTrip“-App, die wir seit unserer Flugpanne verwenden, um die Flüge im Überblick zu behalten, schon eine gebuchte Alternativroute für uns an: Anstatt über Cordoba sollte es nun über Buenos Aires gehen – Abflug eine knappe Stunde früher, Ankunft eine halbe Stunde später. Es dauerte einen Moment, bis wir begriffen, was da passiert war. Unser Vermieter, Fernando, der bei der Fluggesellschaft am Flughafen arbeitet, hatte uns bereits umgebucht. Was für ein riesiges Glück in dieser Situation – ohne ihn hätten wir vermutlich einen Tag verloren und damit dann unseren Bus von Mendoza nach Chile zu Selina und Sascha nicht erwischt. Irgendwie kommt es uns vor wie Schicksal, dass wir bei Fernando gelandet sind, dabei hatte unser Aufenthalt bei ihm eher etwas seltsam begonnen…

Als wir am Sonntagabend am Flughafen in Puerto Iguazu landeten, nahmen wir uns ein Taxi (den etwas günstigeren Shuttle-Bus hatten wir leider gerade knapp verpasst) und machten uns auf den Weg zu unserer Unterkunft „Don Alejandro Lodge“. Die Adresse hatten wir aus der Buchungsbestätigung, so wie wir das die letzten Monate gefühlt hunderte Male gemacht hatten. Die Taxifahrerin kannte die Unterkunft vom Namen her nicht und so zeigten wir ihr auf der Karte, wo sie uns hinbringen sollte. Nach 20 Minuten Fahrt durch dichten Regenwald (das erste Straßenschild zeigte einen Leoparden, für dessen eventuelle Straßenüberquerung man bitte langsam fahren sollte) erreichten wir die von uns gewünschte Adresse und stellten überrascht fest, dass dort keine Cabana auf uns wartete. Die Unterkunft dort hieß anders und von der „Don Alejandro Lodge“ hatte man hier noch nie gehört. Die Taxifahrerin wurde etwas ungeduldig und wir bekamen mit furchtbar schlechtem E-Internet Handyempfang zum Glück die Telefonnummer unseres Gastgebers heraus. Die Taxifahrerin telefonierte kurz und schon kam ein kleiner Renault um die Ecke, in dem Fernando saß, der uns mitten auf der Straße abholte. Mit etwas mulmigem Gefühl machten wir uns mit ihm auf den Weg – allerdings nicht direkt zur Unterkunft. Fernando zeigte uns die nähere Umgebung und bot uns dann an, dass er uns noch in die Stadt (2km zu Fuß) fahren könne, nachdem wir unsere Sachen ins Zimmer gebracht hatten. Wir nahmen dankend an. Die Hilfsbereitschaft und Unterstützung war toll – fast vielleicht etwas zu viel. Wir checkten in die schöne Unterkunft ein, fühlten uns gleichzeitig sehr an Uganda erinnert: Die Straße war nicht asphaltiert und es hatte viel geregnet – die rote Erde klebte an Reifen und Schuhen und irgendwo verbrannte jemand ein bisschen Müll. Ohne Uganda wären die Gerüche und der Matsch bestimmt keine schöne Begrüßung gewesen, aber so fühlten wir uns auf Anhieb wohl. Wir fuhren dann mit Fernando in die Stadt, er zeigte uns den Stadtkern und das 3-Länder-Eck aus dem Auto heraus, wir hoben Geld ab und kauften kurz für die nächsten 2 Tage ein. Sehr erschöpft wollten wir nach dem Essen früh schlafen, es war in der Nebenunterkunft aber ein Riesentrubel und wir beobachteten eine Beinahe-Schlägerei am elektrischen Gartentor. Wir hatten irgendwie weiter ein mulmiges Gefühl und waren nicht sicher, ob wir die nächsten 4 Tage in dieser Unterkunft bleiben wollen würden.

Das alles relativierte sich sehr schnell, als am nächsten Morgen die Sonne schien und sich die Beinahe-Schlägerei des Vorabends aufklärte: Fernandos Hund hatte einen Nachbarn gebissen, der diesen mit Steinewerfen provoziert hatte – Fernando kannte den Mann und die Geschichte war für ihn eher zum Schmunzeln. Warum unsere Nachbarn allerdings die ganze Nacht so gelärmt hatten, blieb unklar.

Am späten Vormittag brachen wir zur letzten Bushaltestelle auf, an der der Bus hielt, der zur brasilianischen Seite der Wasserfälle fährt. Wir wollten trotz Müdigkeit nun endlich die berühmten Wasserfälle zu Gesicht bekommen. Ein bisschen Durcheinander mit den Bussen gab es dann noch, wir saßen plötzlich alleine an einer 4-spurigen Straße in Brasilien und warteten auf den 120er Bus von Foz de Iguazu (die Stadt auf der brasilianischen Seite) zu den Wasserfällen. Der Bus kam aber schnell und nach dem Ticketkauf fuhr uns ein Shuttlebus im Inneren des Nationalparks bis zum Beginn des Rundweges. Wir staunten beide nicht schlecht, als wir direkt aus dem Bus heraus das fantastische Panorama über die Wasserfälle zu Gesicht bekamen. Dieses Naturspektakel ist gigantisch und man hat nichts Vergleichbares jemals vorher gesehen. Der Rundweg führte am Fluß Iguazu entlang und brachte uns am Ende ganz nahe an einen kleinen Teil der gigantischen Wasserfälle heran. Über einen Steg lief man bis an die Kante nach vorne, von wo aus das Wasser in die Tiefe stürzte. Wir waren total geplättet. Ein kleiner Wermutstropfen: Es ist unheimlich viel Müll in den Fällen zu finden. Mensch, was tust du nur!? Auf dem Weg begegneten uns außerdem noch eine bunte Vielfalt an Schmetterlingen und ein Rudel Nasenbären, die in den Parks dort zur Plage werden, weil sie die Mülleimer durchwühlen und Touristen das Essen klauen. Wir verstanden uns gut mit ihnen und machten ein paar nette Fotos.

Tags darauf fuhren wir zur argentinischen Seite der Fälle. Die Recherchen vorher hatten klar ergeben, dass dies wohl die NOCH beeindruckendere Seite sein würde. Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Die Schmetterlinge setzten sich auf unsere Hände, Mützen und Rucksäcke und schimmerten in den tollsten Farben vor einer gigantischen und wirklich unbeschreiblichen Kulisse mit rauschenden Wassermassen, spritzenden Wassertröpfchen und Regenbogen durch die strahlende Sonne. Wir wissen nicht, ob die Bilder das ein bisschen zum Ausdruck bringen können, aber es waren absolut magische Momente, die wir dort erlebten und wir können es nur jedem ans Herz legen, sich dieses Naturschauspiel irgendwann einmal anzusehen. Auf der argentinischen Seite verbrachten wir im Gegensatz zur brasilianischen Seite einen kompletten Tag und fuhren zum Abschluss mit dem kleinen Elektro-Zug zum Höllenschlund – dem absoluten Highlight der gesamten zwei Tage. Die Geräusche, das spritzende Wasser, die strahlende Sonne, die vielen, bunten Schmetterlinge, der Regenbogen – es passte an diesem Tag für uns einfach alles zusammen.

Erschöpft von der vielen Sonne und den Eindrücken machten wir uns auf den Heimweg und ließen den Abend in der Cabana ausklingen. Für unvorhergesehenes Wetter hatten wir uns einen Tag Puffer in Puerto Iguazu eingeplant und so war für den nächsten Tag nicht viel Programm geplant. Ein solcher „Chillertag“, wie wir ihn nennen, kommt gar nicht so häufig vor und sah am Mittwoch ungefähr so aus:

  • Ausschlafen
  • Gemütliches Frühstück auf der Terrasse
  • Busfahrt in die Stadt zum Aussichtspunkt am Drei-Länder-Eck. Von dort aus zu Fuß durch die Stadt zurück.
  • Einkauf im Supermarkt für das Abendessen und den Proviant am übernächsten Tag (Low-Budget-Verpflegung erfordert viel Planung, wenn man dennoch lecker und gesund essen möchte)
  • 3 km mit schweren Rucksäcken zurück zur Unterkunft bei 35°C.
  • Doppelte Menge Essen kochen

Und dann haben wir gestern insgesamt noch 7 Stunden vor den Handys und dem Laptop verbracht, um die weiteren Reiseschritte zu planen und zu buchen. Das macht wirklich einen riesengroßen Teil unserer Freizeit aus und ist manchmal ganz schön anstrengend. Wir vermelden: Der Besuch des Machu Picchu ist jetzt geplant und das Wichtigste drumherum auch schon gebucht. Das alleine hat uns schon 4 Stunden gekostet. Die Route für Bolivien und Peru steht und es fehlen lediglich noch die Transfers zwischen den einzelnen Orten und die Unterkünfte.

Es wird uns also nie langweilig und wir sind mittlerweile natürlich auch sehr schnell und erfahren beim Recherchieren und Buchen. Trotzdem steckt da natürlich wahnsinnig viel Arbeit drin, der Lohn sind dann aber Erlebnisse wie der Besuch der Wasserfälle, die einmalig und faszinierend sind. Ohne Fleiß, kein Preis.

Bevor wir morgen mit einem Bus 7 Stunden lang durch die Anden nach Santiago de Chile fahren, werden wir heute Abend in Mendoza übernachten und wollen gerne noch schön essen gehen und ein Glas Wein kosten, wofür Mendoza bekannt und berühmt ist – fürs Schlemmen. Hoffentlich wird es nicht zu spät dafür.

Das nächste Mal hört ihr von M&M und S&S, auf die wir uns freuen und die hoffentlich Lust haben, mit uns gemeinsam Blog zu schreiben, nachdem sie jetzt mehr als ein halbes Jahr immer nur fleißig gelesen haben.

Buen Dia …

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