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Ankunft auf der Nordinsel – Wellington, der Vulkan Taranaki und das Tongariro Alpincrossing (A-C.)

Gleich nach der Ankunft in Wellington fuhren wir zügig auf einen der wenigen freien Campingplätze in der Stadt und hatten Glück, dass wir noch einen der letzten freien Parkplätze ergattern konnten. Wir standen direkt am Meer und genossen den Ausblick und ein leckeres Abendessen. Am nächsten Morgen fuhren wir in die Stadt, um mal wieder in die Kirche zu gehen. Der Gottesdienst war toll und der Pfarrer begeisterte uns. Den restlichen Tag verbrachten wir wieder auf dem freien Campingplatz und genossen die Sonne, das Meer und die Landschaft drum herum. Leider regnete es am Montag, sodass ein Besuch in Wellington ausfallen musste und wir beschlossen nach einer warmen Dusche (es gibt immer wieder freie Plätze, an denen man kostenlos duschen darf), uns gen Westen aufzumachen, um zum Vulkan Mount Taranki zu gelangen.

Die Fahrt war anstrengend und dauerte lange. Es regnete ununterbrochen und wir waren froh, dass wir für die weite Strecke nicht einen Sonnentag opfern mussten. In New Plymouth stellten wir Will an einen kleinen See, an dem man sich ein freies Plätzchen aussuchen durfte, und gingen früh schlafen. Die Hoffnung war groß, dass wir den Vulkan am nächsten Morgen sehen würden.

Noch vor dem Frühstück machten wir uns zu Fuß auf den Weg zur Te Rewa Rewa Brücke, von der aus man den Mount Taranaki bei schönem Wetter gut sehen kann. Leider hingen noch Wolken um den Vulkan herum und wir mussten geduldig sein. Wir frühstückten, wuschen unsere Wäsche in der Stadt und fuhren dann zum Mangamahoe-See, um vielleicht von dort einen schönen Blick auf den Mount Taranaki zu erhaschen. Das Wetter wurde zwar immer besser, trotzdem hing der Gipfel des Vulkans weiterhin in den Wolken. Der 6km-Spaziergang war sehr schön und führte um den See durch den Regenwald. Noch näher am Berg beim Visitorcenter der Dawsonfalls machten wir Mittag. Leider veränderte sich das Wetter schlagartig und wir saßen mitten in den Wolken und der Blick auf den Berg war verschwunden. Wir machten uns dennoch auf eine kurze Wanderung durch den Regenwald, die auch ohne Sicht unheimlich schön war. Zum Übernachten fuhren wir einen weiteren Parkplatz am Mount Taranaki an, der auf knapp 1700 Meter lag. Entsprechend kalt war es dort und die Solardusche fiel sehr kurz aus. Wir kochten und kuschelten uns recht bald in unsere Decke.

Am nächsten Morgen war es dann endlich soweit: Der Mount Taranaki blitzte immer wieder aus den Wolken hervor. Wir nutzten die kurzen Momente für ein paar schöne Schnappschüsse und „Zelfies“ und beschlossen dann, unseren Plan noch einen Tag länger hier zu bleiben, zu verwerfen zu Gunsten des Tongariro Alpine Crossings.

Da für Donnerstag gutes Wetter angesagt war, entschlossen wir uns, schon am Mittwoch weiter Richtung Lake Taupo zu fahren, damit wir am Donnerstag den tollen Tag für die Alpinüberquerung  durch den Tongoriro Nationalpark zur Verfügung hatten.

Es stand wieder ein Tag Autofahrt an, aber dieses Mal mit unglaublich tollen Blicken und verschiedenster Landschaft.

Wir fuhren den Forgotten World Highway und genossen die Berge und die tolle Kulisse. Immer wieder hielten wir an und bestaunten das satte Grün und die Berge. Abends angekommen stellten wir Will auf einen freien Campingplatz in der Nähe des Ausgangspunktes der Alpinüberquerung ab, machten Abendessen und richteten uns Vesper für den bevorstehenden Tag.

Wir waren voller Vorfreude und sehr gespannt auf die berühmte Alpinüberquerung. Schon im Vorfeld hatten wir einige Blogs gelesen und Bilder von der tollen Vulkanlandschaft und den Emeraldpools gesehen.

Am Donnerstagmorgen ging es natürlich früh los. Noch im Dunkeln packten wir unsere Siebensachen und fuhren zum Ketetahi Parkplatz, wo uns der Shuttlebus zum Ausgangspunkt (Mangetepopo) fuhr. Wir hatten uns für den Oneway-Shuttlebus entschieden, da man so nicht nur Geld spart, sondern auch den ganzen Tag Zeit hat, zurück zum Auto zu laufen, und nicht zu einer bestimmten Zeit am Endpunkt angekommen sein muss, um wieder ein Shuttle zu nehmen.

Um Punkt 9 Uhr konnten wir dann die Tour starten und die ersten 5 Kilometer führten sehr gemütlich in die Vulkanlandschaft des Nationalparks hinein. Natürlich waren wir nicht alleine und so versuchten wir, uns zwischen den Menschen Platz für eigenes Tempo zu schaffen. Wir hatten gehört, dass pro Tag mehr als 1500 Menschen diese berühmte Ein-Tages-Wanderung laufen und waren auf die Masse eingestellt. Wer uns kennt, weiß, dass wir eigentlich lieber auf Berge klettern, auf denen weniger los ist. Da das Alpincrossing aber so viel unterschiedliche Landschaft auf einmal bietet und man diese 20 Kilometer an einem Tag laufen kann, wollten wir uns dieses Naturerlebnis nicht nehmen lassen. Erstaunlicherweise verteilten sich die Menschen ziemlich gut und es gab nur zwei Stellen, an denen man in der Masse laufen musste.

Wir nahmen uns den ganzen Tag Zeit und genossen es, auch immer wieder kleinere Pausen mit tollem Ausblick zu machen. Die Landschaft um Mount Ngauruhoe, der aus den Verfilmungen von Herr der Ringe als Mount Doom oder Schicksalsberg bekannt wurde, ist gigantisch und einzigartig. Für uns war es die erste Wanderung in vulkanischem alpinem Gelände und wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Sicherlich auch ein Highlight ist der Blick vom höchsten Punkt der Tour (Red Crater) hinab auf die Emerald Pools, die durch Mineralien im Wasser wundervoll blau-grün schimmern. An dieser Stelle ist allerdings ein Engpass, an dem es steil einen Geröllhang hinuntergeht, der den Menschenmassen nicht gewachsen ist. Man kommt leicht ins Rutschen und muss auf seine Vorderleute gut achtgeben. Der zweite Teil der Wanderung wirkt dann zunächst etwas unspektakulär, da das Auge durch die Landschaft vorher sehr verwöhnt ist. Nach einer letzten kurzen Rast konnten wir aber auch den Abstieg genießen und schätzen. In Neuseeland ist man insgesamt sehr verwöhnt, was Berge und Landschaft angeht – ein Highlight jagt das nächste – und man stumpft etwas ab gegenüber „normal“ schönen Landschaften. Oft merkt man erst am Abend beim Anschauen der Bilder, wie überwältigend schön die Eindrücke des Tages eigentlich wieder waren.

Will wartete mit perfekt temperierter Solardusche auf uns an der Hauptstraße. So konnten wir uns direkt nach der Wanderung waschen und frisch duftend freuten wir uns auf ein Eis, das wir uns verdient hatten. Auf der Fahrt nach Turangi machte Will uns plötzlich große Sorgen: Alle möglichen Lämpchen leuchteten im Armaturenbrett auf und die Kühlwasser-Temperatur-Anzeige schoss förmlich in die Höhe. Gerade noch so lenkten wir Will in Turangi auf den Parkplatz zwischen Tankstelle und Supermarkt. Als wir den Motor ausstellten, fing es heftig zu qualmen an.

Klarer Fall, wir brauchten Hilfe. Unsere Vermietungsfirma war nicht mehr erreichbar und so wendeten wir uns an den AA-Roadservice (vergleichbar mit ADAC) und ließen uns auf einen nahe gelegenen Campingplatz abschleppen. Der nächste Tag ging komplett für die Diagnose des Schadens drauf und wir wussten nicht, wie wir die nächsten Tage wohl verbringen würden. Hotel? Neuer Bus? Alter, reparierter Bus? … ein Gefühlschaos. Wir ließen uns nicht aus der Ruhe bringen und vesperten am kleinen Besuchertisch der Autowerkstatt. Die Mitarbeiter auf dem Campingplatz, in der Werkstatt und vom Abschleppdienst waren ausnahmslos sehr hilfsbereit und freundlich und arbeiteten an einer schnellstmöglichen Lösung. Am frühen Abend dann die Hiobsbotschaft – für Will wird die Reise hier zu Ende sein. Gleichzeitig versprach uns der Manager von Happy Campers, sein Möglichstes zu tun und ein Ersatzfahrzeug zu organisieren.

Heute Morgen dann die erlösende Nachricht: Der Ersatz-Camper hat sich gegen 9 Uhr in Auckland auf den Weg zu uns gemacht. Wir erwarten ihn gegen Nachmittag und dürfen dann umziehen und nach 2 Tagen Zwangspause sind wir wieder mobil. Wir werden vermutlich noch eine Nacht hier auf dem Campingplatz bleiben und uns mit dem neuen Bus vertraut machen, bevor es dann wieder zum FreedomCamping und raus in die Natur zurückgeht für die letzten 10 Tage.

Die Zwangspause auf dem Campingplatz mit Strom, heißer Dusche, Waschmaschine und großer Küche brachte uns viel Luxus, den wir die letzten Wochen nicht hatten. Und so konnten wir diesem Zwischenfall auch viel Gutes abgewinnen, zumal wir die Rechnung für den Stellplatz bei Happy Campers einreichen werden.

So sind wir jetzt gespannt auf unseren dritten Campervan und freuen uns auf die Weiterreise. Eines konnte uns der Manager schon verraten: Es ist ein deutlich neueres Modell. Unser Will – so sehr wir ihn auch geliebt haben – war mit 360.000 gefahrenen Kilometern und einem Baujahr geschätzt vor Matzes Geburt doch recht stark in die Jahre gekommen – in Deutschland vermutlich ein Oldtimer mit H-Kennzeichen, der beim TÜV sicherlich jedesmal Schwierigkeiten hätte.

Ihr seht, uns wird nicht langweilig. Das nächste Mal hört ihr dann von uns aus dem neuen Geschwisterchen von Will.

Alles Liebe und viele Grüße aus dem herbstlichen Neuseeland ins frühlingshafte Deutschland!

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2 Kommentare zu „Ankunft auf der Nordinsel – Wellington, der Vulkan Taranaki und das Tongariro Alpincrossing (A-C.) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Beeindruckende Landschaften, wow. Hobbit lässt grüßen.
    Tolle Wanderungen mit Opinel, danke!
    Und leider: Wil will nicht mehr… 😢
    Das Gefühl auf einen Campingplatz abgeschleppt zu werden erlebt allerdings auch nicht jeder…

    Gefällt 2 Personen

  2. Danke für die unheimlich tollen Fotos vom Alpine Crossing! Ich konnte das damals leider, leider nicht machen, da meine Freundin einen entzündeten Zeh hatte. So konnte ich das nun bequen auf dem Sofa etwas nachholen 😉
    Viel Freude mit FreeWill(y)2

    Gefällt 1 Person

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