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Die letzten Tage Südinsel (I, A-C)

Franz Josef, Pancake Rocks, Nelson und Fährüberfahrt

Schlimmer als erwartet ist das Unwetter über uns hereingebrochen. Der Regen wurde von Stunde zu Stunde heftiger und es wurde uns ein bisschen mulmig. Neben der Straße schossen die Wasserfälle aus den Bergen neben uns herunter. Das alles hatte trotzdem etwas Magisches und Faszinierendes. Zum Glück fanden wir in Franz Josef ein sicheres Plätzchen auf einem Campingplatz mit Internet und Strom, wo wir uns für die nächsten 3 Nächte einquartierten, um das heftige Unwetter abzuwarten. Auch für neuseeländische Verhältnisse war das Unwetter schwerer als erwartet – die Presse schrieb von einem Jahrhundert-Unwetter und der Notstand wurde ausgerufen. Wir waren froh, nicht alleine auf dem Campingplatz zu sein, und freundeten uns mit einem jungen Paar auf Hochzeitsreise aus Colorado an. Immer wieder tauschten wir neueste Informationen aus, schauten nach den gesperrten Straßen und tranken Kaffee. Der dramatische Höhepunkt des Starkregens war der Brückeneinsturz über dem Waiho-River. Diese einzige Verbindung von Franz Josef Richtung Süden wurde damit zerstört. So waren leider nach dem Unwetter alle Wanderwege in der Nähe des Gletschers nicht mehr erreichbar und Ausflüge ohne Helikopter nicht mehr machbar. Auch der Besuch bei der Werkstatt im Nachbarort Fox Glacier fiel ins Wasser und wir mussten uns selbst helfen.

Insgesamt waren wir aber froh, die Brücke schon passiert zu haben, um nach dem Unwetter weiter Richtung Norden fahren zu können. Wir nutzten die Zeit für Telefonate, buchten weitere Reiseschritte (bald werden wir die Reiseroute für den Rest unseres Abenteuers updaten) und hielten Will mit dem Heizlüfter, so gut es ging, trocken. Am Donnerstagmorgen wachten wir ohne das Prasseln des Regens auf – der erste Gang aufs Klo fühlte sich irgendwie magisch an. Die Ruhe nach dem Sturm war nicht mehr nur eine Metapher, sondern wir konnten es spüren. Verrückt: Wir sind nur ein kleiner Teil auf diesem Planeten und sind der Natur an so vielen Stellen einfach ausgeliefert. Schade, dass wir sie trotzdem oft nicht besser behandeln.

Bei strahlendem Sonnenschein ging es gezwungenermaßen gen Norden in das kleine Dörfchen Okarito. Die Wanderwege dort boten die einzige Möglichkeit, um die Gletscher und Mount Cook doch noch wenigstens von Weitem zu sehen. Wir hatten Glück und es war klare Sicht und wir saugten die Stimmung und Aussicht vom Okarito Trik in uns auf. Den Rest des Tages verbrachten wir im Auto, um die Pancake Rocks zu erreichen, wo wir – immer noch bei Sonne – gegen Spätnachmittag ankamen und die Pfannkuchentürme im Meer bestaunten.

Die Nacht auf dem nahegelegenen Freedom-Camping-Areal war etwas schwierig wegen zu vieler Sandflies. So machten wir uns am nächsten Morgen ungefrühstückt auf den Weg weiter Richtung Norden und legten die Essenspausen abseits vom Wasser ein. Die Viecher können wirklich unangenehm werden – vor allem jucken die Stiche nachts. Die Strecke führte traumhaft durch die Berge und die Landschaft veränderte sich von Regenwald zu schwarzwaldähnlichen Feldern und kleineren Hügeln. Wieder spätnachmittags kamen wir in Nelson an, wo wir bei Pak’n’Save mal wieder Großeinkauf machten und uns dann wieder auf einen kostenlosen Parkplatz stellten, der aber leider direkt an einer lauten Straße lag. Die einzige Möglichkeit aber am Wochenende stadtnah frei zu stehen und für den Markt am nächsten Morgen nahmen wir das in Kauf.

Der Markt war unheimlich süß mit vielen ausländischen Essensspezialitäten (srilankisches Roti zum Frühstück) und vielen tollen handgemachten Schmuck-, Kleidungs- oder Dekorationsstücken. Von Nelson aus fuhren wir gut 2 Stunden nach Picton, von wo aus wir im Moment mit der Fähre, die wir während des Unwetters gebucht haben, nach Wellington übersetzen. Gegen den Abel-Tasman-Nationalpark entschieden wir uns wegen des Unwetters und der unklaren Wetterlage. Insgesamt ist es für Kayakfahrten und Baden in malerischen Buchten momentan zu kalt geworden. Die Erfahrungen aus der Halongbucht wirken hier noch nach und wir freuen uns jetzt auf die tolle Landschaft der Nordinsel mit Vulkanen, Geysiren und mehr. Wir hoffen auch, das berühmte Alpine Crossing machen zu können, was allerdings vom Wetter abhängt. Die nächsten beiden Tage werden wir von Wellington aus den zweiten Neuseelandteil planen und dann hoffentlich auch unsere Reiseroute noch aktualisieren können. Das Reisetempo und die Zeit, die wir hier in Neuseland eingeplant haben, gefallen uns sehr und wir erleben einen hohen Erholungsfaktor, auch wenn wir oft nur eine Nacht an einem Ort sind. Vermutlich liegt das auch an der Größe des Landes (im Vergleich zu Australien), da die Entfernungen einfach überschaubar bleiben.

Die Lebenseinstellung der Kiwis kann man spüren: Sie leben ein überwiegend sorgloses „No Worries“-Leben und sind tiefenentspannt und glücklich. Die Einstellung färbt auf uns ab und wir lassen das gerne zu. Wenn Neuseeland nicht so weit weg wäre, könnte man sich ein zumindest temporäres Auswandern hierher vorstellen. Auch die kleinen Dorfschulen haben viel Charme.

Bis bald …

 

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