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F. Streaky Bay & G. Port Lincoln & H. Whyalla

Die Fahrtage gestalten wir flexibel und frühstücken oft nach der ersten Stunde Fahrt irgendwo schön am Strand oder an der Küste. Die Küste ab Ceduna südwärts ist wunderschön und erlaubt regelmäßig tolle Abstecher ans Meer. Im Supermarkt fanden wir Vollkorn-Brot, was Miri zum Jubeln brachte. Zum Baden ist es leider immer noch etwas zu kühl. In Streaky Bay steuerten wir einen Campingplatz an, auf dem es eine traumhafte Sicht aufs Meer gab und wo wir den Nachmittag über entspannten.

Tags darauf fuhren wir nach Port Lincoln weiter, wo wir die Hängematten zwischen Emma und den schattenspendenden Baum hängten und die Seele und uns baumeln ließen. Auf einem Flyer an der Rezeption fanden wir Informationen zum „Whaler‘s Way“, einem traumhaften Küstenabschnitt ganz an der Südspitze der Eyre-Halbinsel, der als Geheimtipp gilt. Wir entschieden, uns am nächsten Morgen den Schlüssel im Visitor-Center zu holen und den Tag dort zu verbringen. Leider verlief der entspannt geplante Ausflug alles andere als entspannt – wir sollten hier eine böse Überraschung erleben.

Wir merkten schnell, dass wir Emma an ihre Grenzen brachten, als wir sie über die holprigen und teils sandigen Sträßchen in das Naturschutzgebiet steuerten, das in Privatbesitz ist. Das Geschirr klapperte und wir stellten schnell fest, dass wir an den sandigen Stellen auf der Straße etwas Schwierigkeiten hatten. Wir nahmen uns fest vor, an diesen Stellen nicht zum Stehen zu kommen, da wir uns der Gefahr des Steckenbleibens wohl bewusst waren. Die sandigen Abschnitte waren allerdings immer nur sehr kurz und durch den Wind entstanden – direkt unter dem Sand war fester Untergrund und so entschieden wir, dass wir hier kein Risiko eingingen, wenn wir weiterfuhren.

Wir sahen in einer tollen Bucht Robben herumtoben und beobachteten sie eine Weile. Ein kleiner Bus mit geführter Tour hielt ebenfalls an und ein Ehepaar aus der Schweiz bewunderte uns für unsere Fahrt mit Emma hier im Park – ihnen habe man abgeraten, mit eigenem Auto hier hereinzufahren. Wir ließen uns nicht verunsichern, da wir weder am Campingplatz noch im Visitor-Center Warnungen oder Hinweise erhalten hatten.

Am Ende der Scenic-Route befand sich eine traumhafte Bucht „Red Bank“. Wir bogen in die Straße ein, die uns dorthin führen sollte. Es ging leicht bergauf und es wurde sandig. Emma ließ sich nicht mehr lenken und so musste Matze vom Gas gehen und Emma kam zum Stehen. Wir tauschten einen kurzen Blick aus und versuchten wieder anzufahren. Vorwärts – nichts. Rückwärts – auch nichts. Scheiße. Der Schrecken stand uns ins Gesicht geschrieben. Wir versuchten es mit Anschieben, legten dicke Äste und Steine unter Emmas Reifen, aber wir merkten schnell, dass wir so keine Chance hatten. An dieser Stelle war der Sand einfach zu tief und kein fester Untergrund mehr zu spüren.

Der private Nationalpark ist sehr verlassen und außer uns hatten wir nur 2 andere Autos auf dem 14 km langen Weg gesehen. Handyempfang war ebenfalls schwach bis nicht vorhanden und so fühlten wir uns verlassen im Nirgendwo und bekamen ein recht mulmiges Gefühl. Kurz bevor wir abgebogen waren, war uns ein roter Geländewagen entgegengekommen und so stellten wir uns an die Kreuzung und warteten, bis dieser zurückkam. Das Ehepaar aus Alice Springs bemühte sich eine Stunde lang mit uns gemeinsam, Emma die 20 Meter rückwärts auf festeren Grund zu bekommen. Auch diese Versuche scheiterten, obwohl die beiden zwei Sandbretter dabei hatten.

Die beiden fuhren Richtung Ausgang und versprachen uns, Hilfe zu schicken. In unseren Köpfen spielten wir verschiedene Szenarien durch: Die Versicherungsbedingungen für Emma schlossen eigentlich nicht asphaltierte Straßen aus – würden wir unserer Campervermietung Bescheid geben müssen? Was würde uns das Abschleppen kosten? Wir machten uns viele Gedanken, die sich eine gute Stunde später zum Glück alle nicht bewahrheiteten. Der Besitzer des Parks kam mit einem Geländewagen und Abschleppseil. Er war tiefenentspannt und auf unsere Erklärungsversuche, warum das passiert war und dass es in Deutschland keinen Sand gibt, auf dem man fährt, antwortete er völlig cool mit schwerem australischem Akzent „So, welcome to Australia.“ und grinste sein zahnloses Lachen. Fürs Abschleppen wollte er nichts von uns, und wir fuhren sogar hinter ihm her noch in die „Red Banks-Bucht“, wo wir mit ihm gemeinsam ein Foto vor einer Traumkulisse machten. Diese konnten wir allerdings nicht genießen. Wir wollten nur noch zurück auf feste Straßen.

Auf dem Weg zurück kam Emma noch zwei- oder dreimal schwer ins Schleudern durch die Sandlöcher und wir waren froh, dass unser Retter in der Nähe war. Auch wenn er ganz schön vor uns her heizte, wartete er immer wieder, bis er uns sehen konnte. Völlig fertig mit den Nerven entschieden wir uns zum Campingplatz der vorherigen Nacht zurückzufahren. Als wir den Schlüssel zurückbrachten, erzählten wir im Visitorcenter von unserer Geschichte. Die Damen waren recht verwundert und behaupteten, dass sie die Straße nach Red Banks immer nur für Allradantrieb empfehlen. Wir hatten diese Empfehlung leider nicht bekommen, sonst wäre uns das alles erspart geblieben.

Auf dem Campingplatz befreiten wir Emma so gut es ging vom Sand, der sich auch in ihrem Inneren gut verbreitet hatte.

Irgendwie ist in Australien manchmal ein bisschen der Wurm drin. Das Ausschließen zu Beginn unseres Roadtrips, die Länge der Route und die Tatsache, dass wir noch nicht genug über die Route wussten, als wir ankamen, brachte uns öfter in Stresssituationen, als es uns lieb war. Nach dem Abschleppen aus dem Sand und unserem zweiten blauen Auge auf der Australienroute geht es uns jetzt aber gut und wir haben uns mit den Umständen gut arrangiert und sind wieder deutlich entspannter.

Für heute nahmen wir uns nicht viel vor. Frühstück gab es in Tumb Bay direkt am Strand. Danach fuhren wir gut 200 km bis nach Whyalla (geiler Name, oder?), wo wir früh am Campingplatz ankamen und den Nachmittag komplett am Chillen waren. Vor dem Abendessen ein toller Spaziergang mit Krafttraining an den öffentlichen Geräten. Warum gibt es das eigentlich nicht in Deutschland?

Zum Abendessen ein super Highlight: Gnocchi mit Daahl (Linsen-Curry) und Kohl. Wir liegen in Emma und sind wieder total versöhnt mit allem. Morgen geht’s die restlichen 400 km bis Adelaide, wo wir die letzten Tage mit Emma verbringen, bevor wir sie am Dienstag (sauber geputzt) zurückgeben und nach Alice Springs zum Uluru fliegen.

Schöne Fasnet an alle Närrischen … und viele Grüße aus Whyalla ! (bei dem Namen müssen wir immer lachen)

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