Zum Inhalt springen

7. Amelie, Mzungu on the road und Abschied nehmen

Donnerstag 25.10. – Dienstag 30.10.

Am Donnerstag sollte es nun also endlich soweit sein: Amelie hatte sich um 5 Uhr morgens in Bukoba (Tansania) in einen Bus gesetzt, um uns für 4 Tage zu besuchen. Wir wussten ihre grobe Ankunftszeit und auch grob den Ort, wo sie aus dem Bus steigen würde. Gut, dass wir die Polizistin vor der „Banc of Africa“ die Tage vorher mit Seife ausgestattet hatten und sie uns daher sehr mochte. Wir gaben ihr unsere Telefonnummer und baten sie, uns anzurufen, wenn sie die junge Mzungu-Frau aus dem Bus steigen sieht, und sie zu sich zu holen. Das klappte perfekt und so wurde Amelie von einer schwer bewaffneten Polizistin in Empfang genommen und wir konnten sie wenige Minuten später mit dem Auto von Joseph, dem Kochlehrer, abholen. Matze sammelte seine ersten Erfahrungen, selbst Auto zu fahren in Uganda, was sich für die nächsten Tage als durchaus hilfreich herausstellte.

Amelie tauchte direkt richtig mit in unser dortiges Leben ein – wir hatten noch einiges zu erledigen in der Stadt: T-Shirts für die Erwachsenen im Transitory Home mussten abgeholt werden, ein Mehrfachstecker mit USB-Anschluss musste gefunden werden und eine kleine Digitalkamera kauften wir auch noch. Auf dem Markt standen wir mit Schirm bewaffnet unter den tröpfelnden Planen im Matsch und kauften Obst. Direkt im Anschluss ging es ins Motherhouse, wo Amelie Anne Namuddu kennenlernte und wir eine Weile mit den Kids spielten.

Für den Nachmittag hatten wir uns mit Rose (die Ehefrau des Mathe-Lehrers Demian) bei der Apotheke von Maddo (Caritas) verabredet, denn Amelies Mama hatte durch eine großzügige Spende einen Medikamenten-Großeinkauf ermöglicht. Eine Kiste fürs Transitory Home und zwei Kisten für die Praxis von Rose (Palliativ Care) – wir haben darüber berichtet, als wir mit ihr unterwegs waren.

Der Express-Zuschlag, den Matze ausgehandelt hatte, um die Staff-T-Shirts noch rechtzeitig bedrucken zu lassen, zahlte sich aus und so konnte Matze zusammen mit Imelda (Nählehrerin und unsere rechte Hand bei allen Einkäufen) die frisch bedruckten Shirts abholen.

Abends fielen wir total erledigt ins Bett und schliefen uns für den Ausflug am nächsten Tag aus.

Lake Mburo Nationalpark stand auf dem Programm – wir konnten am Tag vorher noch ein größeres Auto organisieren: George bot uns  Anne Namuddus Auto an, in das insgesamt 7-9 Leute hineinpassen. Für den ganzen Tag im Auto wollten wir aber nicht mehr als 7 Leute mitnehmen und so fuhren wir drei Mzungus zusammen mit Teddy, ihrem Bruder Joseph, Joseph (Kochlehrer) und Imelda (Nählehrerin) in den Nationalpark. Das Navi funktionierte perfekt und die Ugander konnten nicht verstehen, woher wir wussten, wohin wir fahren müssen. Nachdem sie sich gegen das Navi durchgesetzt hatten und dann merkten, dass sie falsch abgebogen waren, vertrauten sie uns Deutschen die Routenplanung und das Fahren vollends an. Das klappte.

Der Tag war schön – wir sahen viele Affen, Springböcke, Wildschweine und als Highlight eine große Nilpferd-Familie, die direkt neben dem Ufer neugierig näher kam, als wir fotografierten. Auf dem Rückweg wäre uns fast eine Äffchen-Mama mit ihrem Baby ins Auto gestiegen, nachdem wir die Äffchen mit Bananen angelockt hatten. Das Geschrei im Auto war groß.

Als wir zurück waren, trafen wir noch die zwei jungen Männer, die die Nähmaschinen reparierten, und gingen auch dann wieder früh zu Bett nach einem tollen Tag voller Eindrücke.

Unseren letzten Tag mit Amelie verbrachten wir am Viktoriasee und am benachbarten Lake Nabugabo, da George uns anbot, das Auto noch einen Tag länger zu behalten („Ihr könnt es gut gebrauchen.“). Am Lake Nabugabo waren wir von Hannah, einer FSJlerin aus Deutschland zum Geburtstag eingeladen. Amelie und Miri freundeten sich mit einem kleinen Mädchen an, das sich einfach zwischen die beiden setzte und anfing Grimassen zu schneiden. Auf dem Rückweg füllten wir das Auto mit Ugandern voll, die ebenfalls auf Hannahs Geburtstag gewesen waren. Sie genossen die Rückfahrt mit Musik aus ihren Handys und Gesang, während Matze sich über die Jumping- und Disco-Roads langsam Richtung asphaltierter Hauptstraße arbeitete.

Sonntag war nun schon der letzte Tag für Amelie. Zufällig fuhr der Chef ihrer NGO in Tansania an diesem Tag von Entebbe Flughafen nach Bukoba in Tansania und bot an, Amelie unterwegs am Nachmittag abzuholen. Bis dahin blieb Zeit, den Mädchen die Nägel zu machen und Joseph (Teddys Bruder) nahm uns noch zu einigen schönen Aussichtspunkten mit.

Es war super schön, Amelie für ein paar Tage bei uns zu haben, und somit ein bisschen echtes Heimatgefühl von Deutschland in Uganda zu spüren. Danke für deinen Besuch, liebe Amelie. Nachdem wir Amelie in fast deutscher Pünktlichkeit an ihren Chef Clemens übergeben hatten, ging es für uns gemeinsam mit Hannah, Gabriel, Luisa, Anna und Helena (unsere deutschen Mitbewohner im Transitory Home, auch euch vielen lieben Dank für die schöne Zeit!) zu unserem Farewell-Fest. Madame Passy hatte das für uns organisiert und keine Kosten und Mühen gescheut: Joseph (Teddys Bruder), Imelda und Florence (Sekretärin) konnten uns ebenfalls begleiten und so fuhren wir nochmals zum Lake Nabugabo und bekamen ein Festessen und durften 2 Runden kühle Getränke genießen. Bei bester Stimmung spielten wir ugandisches Uno und entschieden spontan, dass wir zum Abschied feiern abends noch in den Club (Ambiance) gehen wollten, um etwas zu tanzen.

Der Montag stand dann ganz im Zeichen des Abschiednehmens. Am Vormittag packten wir die Rucksäcke. Kurz vor Mittag trafen wir uns zum offiziellen Abschied mit allen Lehrern und den Mädels. Wir machten Abschiedsfotos, bekamen rührende Abschiedslieder gesungen, gaben unsere Geschenke ab und bekamen umgekehrt ebenfalls viele Abschiedsgeschenke. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an unsere lieben deutschen Volunteers, die einen riesigen Berg Sachen von uns mit nach Deutschland nehmen werden. An einigen Stellen flossen ein paar leise und heimliche Tränen und uns wurde langsam klar: Unsere Zeit in Uganda ist quasi vorbei – unfassbar, wie dieser Monat verflogen ist.

Wir machten uns auf den Weg, noch ein paar Menschen, die uns sehr ans Herz gewachsen sind, auf Wiedersehen zu sagen. Zuerst fuhren wir zu Joseph und Rose, von denen wir unsere Clan-Namen bekommen hatten, die also somit nun unsere Familie in Uganda sind. Wir hatten für sie zum Abschied Geschirr und Besteck gekauft und bekamen von ihnen einen tollen Kuchen geschenkt. Wir hoffen sehr, dass wir dieses junge Lehrerpaar aus Uganda als neuen Teil unserer Familie irgendwann nach Deutschland zu uns einladen können.

Letzter Stopp: Motherhouse – die letzten Geschenke verteilen und auch hier wieder Abschiede, die uns schwerfielen und von denen wir hoffen, dass sie nicht zu lange andauern.

Bevor die Mädchen abends noch einmal wild für uns tanzten, kam Passy noch mit einem wirklich liebevollen Abschiedsbrief für uns. Auch der Chef von Maddo, Father Raphael, verabschiedete sich mit netten und dankbaren Worten per Mail von uns und gab uns einen ordentlichen Rabatt auf den Fahrpreis zum Flughafen.

Dienstag Morgen 8 Uhr: Abfahrt zum Flughafen. Die Tränchen wurden diesmal unterdrückt und wir machten uns auf den Weg nach Kampala, um die Hauptstadt wenigstens kurz noch zu sehen und wir schlenderten über den „Craftmarket“ – Kunstmarkt -, wo wir eine tolle Holzfigur kauften und uns mit Freundschaftsbändern mit Teddy und ihrer Schwester verbanden. Danach noch ein tolles Mittagessen, bevor wir gegen 16 Uhr hier am Flughafen ankamen. Auf dem Weg sangen Teddy, Prossy und John für uns noch einen Reisesegen und wir beteten gemeinsam. Nach Ankunft am Flughafen war noch genug Zeit übrig, um den letzten Blogbeitrag hier aus Uganda zu schreiben und ihn für euch noch online zu stellen.

Check-In ist bereits geöffnet, wir machen uns jetzt mal auf den Weg zum Schalter. Um 20.30 Uhr fliegen wir nach Nairobi, 23:59 geht es nach Bangkok weiter.

Uganda, du hast uns so gut gefallen und so viel Freude bereitet! Deine Bevölkerung begegnet Fremden mit so viel Freude und offenen Herzen – wir haben uns so herzlich willkommen gefühlt und haben die Zeit hier sehr genießen können. Danke an alle, die zu unserem tollen Aufenthalt hier beigetragen haben.

Webale nnyo bannyabo ne bassebo byona byokoze.

Welaba!

Werbeanzeigen

3 Kommentare zu „7. Amelie, Mzungu on the road und Abschied nehmen Hinterlasse einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: