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Wie die Zeit vergeht und was wir alles erleben… (16.-18.10.)

Dienstag (16.10.)

Vielleicht erinnert ihr euch, wie unser letzter Beitrag aufgehört hat: „Morgen haben wir uns einen Tag freigeschaufelt, um unsere Wäsche zu waschen, ein bisschen unsere Reise weiterzuplanen und mit Teddy in der Stadt einen Kaffee zu trinken.“

 

Wie so oft in Afrika sollte es dann doch anders kommen. Kurz nachdem wir den letzten Bericht hochgeladen hatten, meldete sich Teddy mit einer schrecklichen Nachricht bei uns.

Ihre Ziehmutter aus ihrem Heimatdorf war an diesem Tag gestorben und die Beerdigung sollte schon am nächsten Tag (Dienstag) stattfinden. Teddy ist als Mädchen in Kabulasoke bei ihren Eltern aufgewachsen. Ihre Eltern waren sehr arm und hatten zu wenig Geld, um für ihre sechs Kinder zu sorgen. Die Nachbarin wurde dadurch zu einer zweiten Mutter. Später dann ist Teddy zu Anne Namuddu (ebenfalls verwandt, wie wir vermuten) ins Motherhouse nach Masaka gezogen, um dort in die Schule gehen zu können und vor Krankheiten im Busch geschützt zu sein. Die Familienverhältnisse in Uganda sind sehr verschieden zu denen bei uns. Man hat hier häufig mehrere Mütter und Väter und die Verwandtschaft ist dadurch sehr groß.

Da Teddy also zur engeren Familie gehört, war es ihre Aufgabe, sich um die Beerdigung und den anschließenden Leichenschmaus zu kümmern. Ihr könnt euch vorstellen, dass das für die Menschen hier vor Ort viel Geld ist. Wir boten sofort unsere Hilfe an und gingen früh morgens mit Teddy und ihrer Schwester Prossy in Masaka Town einkaufen. Wir kauften 25 Kilo Reis, 50 Kilo Fleisch und viel Wasser für die Menschen.

 

Für uns auch nicht gerade wenig Geld, aber in diesem Moment war es uns egal und wir wollten einfach nur helfen. Im Nachhinein erfuhren wir, dass Moni, eine Kollegin von Miris Mama, uns eine große Spende für diesen Anlass bereitstellte, worüber wir uns sehr freuten. Die Gäste und die Familie waren begeistert von dem tollen Essen und bedankten sich ständig bei uns.

 

 

 

Obwohl dieser Anlass sehr traurig war, fühlten wir uns nach ein paar Stunden sehr wohl. Anfänglich hatten wir doch wieder etwas Schwierigkeiten, mit den Gegebenheiten klar zu kommen. Teddy wuchs in einem kleinen Dorf auf – für uns eher wie im Busch. Die hygienischen Bedingungen sind sehr schlecht und die Gerüche waren wieder neu und anders für uns. Wir waren sehr froh, dass wir nicht alleine waren und zusammen diesen Tag bestreiten konnten und uns gegenseitig unterstützen und Mut machen konnten.

 

Wir halfen beim Vorbereiten, spülten zweimal 400 Teller in der selbstgebauten Außenküche (zwei Schüsseln, Holzregal) und unterhielten uns mit der Familie von Teddy. Während einer kleinen Pause zwischendurch machten wir einen kurzen Spaziergang zur Schule und zur Kirche. Die Kinder in der Schule hatten vermutlich vorher noch nie Weiße gesehen. Aber seht selbst.

 

Gegen Abend fuhren wir eine gute Stunde auf holprigen Straßen nach Hause und waren sehr erschöpft. Die Eindrücke und das Leben im Busch hatten uns angestrengt und so freuten wir uns auf unser Zuhause bei den Mädchen. Sie freuten sich wie immer sehr, als wir nach Hause kamen, und hatten uns schon sehr vermisst. Wie wird das wohl nur, wenn wir wieder gehen müssen…

Unglaublich müde und erschöpft, aber sehr stolz und glücklich, schliefen wir innerhalb von ein paar Sekunden ein und tankten Kraft für den nächsten Tag.

 

Mittwoch (17.10)

Um halb acht klingelte der Wecker und wir starteten halbwegs ausgeschlafen in den Tag. Wir hatten mit Joans Onkel, der Lehrer an der Nachbarschule ist, ein Treffen in der Schule vereinbart. Joseph holte uns am Eingang ab und stellte uns direkt im Sekretariat vor. Alle freuten sich sehr, dass wir zu Besuch waren, und die Schüler waren schon ganz aufgeregt uns kennenzulernen.

Wir durften eine Doppelstunde Physik besuchen und lernten trotz anfänglicher sprachlicher Schwierigkeiten einiges über die Wärmeleitfähigkeit (heat transfer) von verschiedenen Gegenständen und Aggregatszuständen. Joseph hielt eine tolle Stunde und wir bewunderten ihn sehr. Die Bedingungen sind natürlich ganz anders als in Deutschland. In einer Klasse gibt es zwischen 80 und 100 Schüler, die Klassenräume sind nicht größer als in Deutschland, sodass die Schüler sehr eng aufeinander sitzen. Dadurch wird natürlich hauptsächlich frontal unterrichtet und Materialien gibt es fast nicht. Insgesamt sind die Schüler aber sehr dankbar, in die Schule gehen zu können, und es gibt keinerlei Verhaltensschwierigkeiten, wie wir es von Deutschland teilweise kennen. Am Ende der Stunde gab es noch eine Fragerunde für die Schüler und wir erzählten ihnen viel über die Schule in Deutschland. Für die Schüler ist Deutschland so fremd und anders und sie können sich vieles nicht vorstellen.

 

 

Nach der Stunde begrüßte uns der Rektor der Schule und lud uns ein, nochmal vorbeizukommen und im Deutschunterricht zu helfen. Wir verabredeten uns mit ihm für Montag und sind schon sehr gespannt darauf.

Anschließend zeigte uns Joseph noch das Schulzentrum und führte uns ins Lehrerzimmer. Wir bekamen zuckersüßen Tee angeboten (Zucker bedeutet Wohlstand und Luxus) und frittierte Kartoffeln. Dort lernten wir Veronika kennen, die uns am Montag mit in ihren Kunstunterricht nimmt. Sie unterrichtet seit diesem Schuljahr Kunst („Creative Work“ ist als Unterrichtsfach neu hinzugekommen) und arbeitet mit Plastikflaschen, damit diese recycelt werden. Und so verabschiedeten wir uns auf ein Wiedersehen und machten uns auf den Heimweg, wo ein riesiger Berg Wäsche auf uns wartete. Wir hatten die letzte Woche so viel Programm, dass wir nicht zum Waschen gekommen waren.

So wuschen wir über eine Stunde Wäsche von Hand und stellten mal wieder fest, wie einfach wir es doch in Deutschland haben. Maschine an – 2 Stunden später Wäsche in den Trockner – 2 Stunden später: Alles fertig.

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Nach dem Mittagessen fuhren wir mit dem Boda Boda in die Stadt und holten die T-Shirts der Mädchen ab. Außerdem kauften wir nochmals 25 große Seifen, einen Wischmopp und Obst. Über Teddy haben wir gelernt, wie man mit dem Boda Boda Sachen transportiert und so fuhr God, unser Boda Boda Fahrer, zwischenzeitlich mit unseren Einkäufen nach Hause und holte uns dann wieder ab. Wir fühlten uns schon fast wie Ugander… XXXXXXXXXX

Abends trafen wir uns mit den Mädchen im Klassenzimmer und verteilten die neuen T-Shirts, die wir mit dem Geld unserer Eltern kaufen konnten.

Das Video zeigt die Freude der Mädchen mehr als tausend Worte. Seht selbst und genießt es.

 

 

Immer wieder mussten wir mit den Tränen kämpfen, da die Mädchen unglaublich dankbar waren und uns voller Freude um den Hals fielen. So gingen wir sehr glücklich ins Bett und waren gespannt, was der neue Tag bringen würde.

 

Donnerstag (18.10)

Für Donnerstag stand der Nähunterricht am Transitory Home auf dem Plan. Imelda, die Nählehrerin, war schon etwas verwundert, dass wir es bisher nicht zu ihr geschafft hatten, und so freuten wir uns umso mehr über den Besuch. Bevor wir in den Unterricht wollten, passte uns Chefin Madame Passy ab und erzählte uns von den schlechten Nähmaschinen. Es gibt schon einen Kostenvoranschlag, um die Nähmaschinen zu reparieren, und so hoffte sie auf unsere Unterstützung.

Natürlich können wir selbst nicht überall Geld spenden. Über unseren Blog und die Berichte und Bilder haben wir aber die letzten Tage viele Nachrichten bekommen von Familie und Freunden, die uns Geld spenden, um hier zu helfen. Obwohl wir noch gar nicht nach Geld gefragt haben, bekamen wir schon so viele tolle Rückmeldungen und sind sehr dankbar für die Unterstützung…. Vielen Dank an dieser Stelle für die vielen Spenden. Die Mädchen und die Lehrer sind einfach unendlich dankbar.

Nachdem wir mit Madame Passy gesprochen hatten und ihr erklärt hatten, dass wir uns überlegen werden, ob wir das Geld hierfür investieren können und wollen, machten wir uns auf den Weg in die Klasse. Die Mädchen waren schon fleißig am Nähen.

Mit Imelda zusammen beschlossen wir, dass wir die T-Shirts bedrucken lassen und jedes Mädchen zusätzlich zum Logo noch seinen eigenen Namen bedruckt bekommt. Und so machten wir uns trotz Unterricht auf den Weg in die Druckerei und danach in die Stadt. Wir kauften Stoff, damit wir die nächsten Tage selbst einen Rock und ein T-Shirt nähen können. Wir sind gespannt, wie wir mit den Nähmaschinen klar kommen. Unsere Nähkünste sind nicht die Besten und wir sind auf die Hilfe von Imelda angewiesen…

 

Den Nachmittag verbrachten wir mit vielen Gesprächen im Transitory Home und merkten, dass nicht alles rund läuft. Mit der neuen Leitung sind viele unzufrieden und die Bedingungen hier vor Ort sind mehr als dürftig. Viele erhoffen sich durch uns Veränderung und Hilfe und wir müssen leider feststellen, dass vier Wochen dafür einfach zu kurz sind. Mal sehen, ob wir auch von unterwegs nachhaltig helfen können. Und wir sind uns sicher: Das ist nicht unser letzter Aufenthalt hier.

Die Menschen sind einfach so herzlich und gastfreundlich. Obwohl sie sehr arm sind und wenig haben, bekommen wir ständig neue Geschenke und werden eingeladen. Verrückt, dass Menschen, die wenig haben, immer noch mehr geben, als viele Menschen, die eigentlich zu viel haben.

Wir lieben es, diese Art Entwicklungszusammenarbeit zu leisten und hoffen, dass wir in Zukunft weiterhin dabei bleiben können.

Und so beenden wir diesen Bericht mit einem Zitat:

„Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich.“ (André Gide)

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One thought on “Wie die Zeit vergeht und was wir alles erleben… (16.-18.10.) Hinterlasse einen Kommentar

  1. Liebe Miri,lieber Matthias wir trafen gestern Sigi und Nelli,wir finden Eure Reise und Euren Einsatz in Udanda und den Blog großartig. Weiter viel Glück.Gaby und Helmut

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