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Independence Day (8.10. – 10.10.)

Montag (8.10.)

Nach dem sehr entspannten Sonntag freuten wir uns schon auf den nächsten Morgen, denn auf unserem Plan stand für den ganzen Tag Unterricht im Transitory Home. Wir waren gespannt, wie der Unterricht hier verläuft, und hatten wieder viele Fragen. Bevor es am Montagmorgen losgehen sollte, machten wir ein Gruppenfoto mit den Mädchen. Sie hatten am Tag zuvor schon gefragt, ob wir ein gemeinsames Foto mit ihren Sonntagskleidern machen könnten, und da die meisten Mädchen am Sonntag nach der Kirche schon wieder in ihren Alltagskleidern waren, verschoben wir das Foto auf Montagvormittag. Die Mädchen warteten schon auf uns und hatten sich rausgeputzt, so dass dem Gemeinschaftsfoto nichts im Wege stand.

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Nach dem Foto erklärte uns Madame Passy, dass sie gerne eine Lehrerkonferenz abhalten würde und fragte uns, ob wir nicht mit den Mädchen etwas machen könnten. So standen wir also direkt im Unterricht und freuten uns, mit den Mädchen etwas Zeit zu haben. Wir stellten uns nochmals gegenseitig vor und die Mädchen konnten uns Fragen über Deutschland stellen. Danach sangen wir gemeinsam Lieder und zum Abschluss des Vormittags spielten wir ein gemeinsames Spiel auf der Wiese. Für uns verlief der Vormittag sehr schön, dennoch mussten wir beide immer wieder grinsen und waren überrascht, dass hier unangekündigte und so lange  Konferenzen während der Unterrichtszeit stattfinden. Das wäre bei uns in Deutschland undenkbar.

Kurz vor der Mittagspause war die Konferenz beendet und wir durften noch für eine Stunde mit in den Mathematikunterricht. Kattoo, ein sehr lustiger und netter Lehrer, spannte uns gleich mit ein und wir waren als seine Assistenten mit im Unterricht dabei und halfen den Mädchen beim Umrechnen von Kilogramm in Gramm.

Am Nachmittag hatten wir noch ein kurzes Meeting mit Madame Passy, bevor wir dann wieder Sport mit den Mädels machen konnten. Die Mädchen kommen immer besser in das Fitnessprogramm rein und erzählten uns auch schon von dem ersten Muskelkater. Sie freuen sich, dass sie noch stärkere Muskeln bekommen, und können jetzt auch die abschließenden Übungen zum Stretching und zur Entspannung genießen.

Für den nächsten Morgen stand unser großes Fest an. Wir hatten Geld von Miris Eltern bekommen, um mit den Mädchen ein Fest zu feiern. Hierfür eignete sich der Independence Day perfekt.

 

 

Dienstag (9.10) 56. Independence Day von Uganda

Schon von Vornherein war uns klar, dass wir ein tolles Fest haben würden, aber wir wussten auch, dass wir einiges würden vorbereiten müssen. Teddy kam pünktlich (!!!) um 8.30 Uhr und wir fuhren das erste mal Boda-Boda. Diese Motorrad-Taxis sind der gängigste und günstigste Weg der Fortbewegung – etwas abenteuerlich, nicht ganz ungefährlich, was man so im Internet darüber liest, aber sehr spaßig, äußerst praktisch und unersetzlich hier.

In der Stadt angekommen, folgte ein etwa 4-stündiger Einkauf in zig verschiedenen Läden. Alles, was Teddy einkaufte, ließen wir in den Läden und Teddy ließ es von den Boda-Boda-Fahrern zum Transitory Home liefern. Der Markt für Gemüse und Obst war ebenso beeindruckend wie die kleine Schneiderei in den Katakomben unter der Innenstadt, in der Miri Maß nehmen ließ und sich einen Stoff für ihr erstes Uganda-Dress aussuchte. Schaut euch bitte auch die Fotos der Metzgereien an, die ihr frisches Fleisch offen auf der Straße zur Schau stellen und es dann fachmännisch zerkleinern und einpacken – schon ein bisschen krass.

 

 

Etwas später als geplant (also pünktlich in ugandischer Zeitrechnung) kamen wir im Transitory Home an und machten uns gemeinsam mit Teddy auf den Weg ins Mother House, wo wir Anne Nammudu eine von uns gekochte Kürbissuppe überreichten und dann mit allen zusammen feierten und ein Festmahl serviert bekamen. Zum krönenden Abschluss gab es Sodas (süße Getränke) und Kuchen. Auch hier sprechen die Bilder für sich.

 

 

 

Zurück im Transitory Home machten wir uns an die Vorbereitungen für das abendliche Fest mit Lagerfeuer. Miri und Matze bereiteten mit den Mädchen Lasagne vor, die anderen Deutschen hatten Stockbrot vorbereitet und spielten mit den Mädchen Spiele, während wir kochten.

Eine Lasagne unter diesen Umständen zuzubereiten, war spannend und gelang uns deutlich besser, als wir es vorher erwartet hatten. Joseph, der die Mädchen das Kochen und Catering lehrt, nahm die Planung für den Abend in die Hand – uns ging es an manchen Stellen zwar etwas zu langsam, aber am Ende stand neben dem Lagerfeuer eine lange Tafel, die wir als Buffet benutzten, und Joseph erklärte Madame Passy, wie der Abend ablaufen würde.

Deutlich offizieller, als wir das erwartet hatten, starteten wir mit der ugandischen und danach mit der deutschen Nationalhymne. Es wurde gegessen, getanzt und gesungen … und die Mädchen bekamen den Dreh mit dem Stockbrot relativ schnell heraus, nachdem die ersten Brote Feuer gefangen hatten. Für sie war es der erste Independence Day, den sie in ihrem Leben gefeiert haben, und sie waren unglaublich dankbar für das tolle Essen. Auch hier gab es für alle Mädels Sodas und zum Abschluss nochmals Kuchen, den wieder Joseph gebacken hatte. Auch wir Deutschen bekamen plötzlich die halben Röcke aus Stroh umgebunden, die sich die Mädchen zum Tanzen ummachen, und wurden aufgefordert zu tanzen. Nach anfänglicher Skepsis und nachdem unsere Hüften etwas weicher geworden waren, kamen wir in Schwung und wurden von den Mädchen beim Popowackeln ums Lagerfeuer tatkräftig und lauthals unterstützt.

Zum offiziellen Abschluss des Abends überreichte Teddy den Mädchen Binden, Seife und Klopapier für einen ganzen Monat, was wir auch vormittags in der Stadt für sie gekauft hatten. Vielleicht wirkt es auf euch etwas komisch, so etwas zu schenken, aber für die Mädchen war es das größte Geschenk und ein Mädchen sagte: „Toll, jetzt habe ich ein Jahr keine Sorgen mehr.“

Für uns fast schon unangenehm und überschwänglich bedankten sich die Mädchen und Teddy mit einer Rede und viel Applaus. Natürlich wurden auch die Sponsoren in Deutschland erwähnt: Unsere beiden Familien in Deutschland.

Immer wieder waren wir den Tränen nahe und hatten einen fetten Kloß im Hals – es ist unbeschreiblich, wenn Menschen vor Freude fast ausrasten, wenn man ihnen solche – für uns – Selbstverständlichkeiten schenkt: Essen (Fleisch und Süßigkeiten), Hygieneartikel, …

Glücklich und zufrieden machten wir uns auf den Weg ins Bett, als uns Regina, eine der Näh-Lehrerinnen, abfing, um uns eine Überraschung zu präsentieren. Sie hatte Stoff gekauft und wollte Maß nehmen – ein Kleid für Miri und ein Hemd für Matze. Sicherlich möchte sie für ihre Arbeit entlohnt werden – viele Menschen kommen auf uns zu und fragen uns nach Geld, finanzieller Unterstützung für Anschaffungen, usw. Wir können niemals allen helfen und das Nein sagen fällt schwer.

Erschöpft fielen wir ins Bett – was ein Fest, was ein Tag.

 

 

 

Mittwoch (10.10.)

Unser Programm fiel aus, weil Madame Passy nicht erschien und sich entschuldigen ließ – sie war auch am Abend vorher früh gegangen und entschuldigte sich, ihr gehe es nicht gut.

Dass wir frei hatten, kam uns sehr gelegen, konnten wir doch so unsere Buchhaltung auf Vordermann bringen und Wäsche waschen. Auf dem Rückweg trafen wir Madame Passy in ihrem Büro und wünschten ihr gute Besserung – sie war am Vormittag positiv auf Malaria getestet worden. Für die Menschen in Uganda vermutlich ähnlich wie für uns in Deutschland eine Grippe. Sie meinte, sie komme auch morgen kurz vorbei und entschuldigte sich für den Ausfall des Kindergartenbesuchs.

Den Regenschauer saßen wir im Wäscheraum aus und unterhielten uns mit Helena. Wir schwatzten viel mit den Mädchen, telefonierten mit Deutschland, und schrieben den zweiten Abschnitt von unserem Uganda-Aufenthalt zusammen, um die tollen Eindrücke vom Independence-Day möglichst schnell mit euch zu teilen.

 

 

Sula Bulungi !

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