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Ankunft und die ersten Tage (4.10. – 7.10.)

Flug & Fahrt (Donnerstag, 4.10.)

Der Nachtflug von Kapstadt nach Entebbe mit Zwischenstopp in Nairobi bescherte uns deutlich weniger Schlaf, als wir uns erhofft hatten. Auch insgesamt war die Ankunft in diesem grünen und fruchtbaren Land etwas holprig. Das lag zum einen natürlich am fehlenden Schlaf, zum anderen aber auch an den vielen Fragenzeichen in unseren Köpfen: Wo werden wir schlafen, alleine oder mit anderen? Hatte Teddy uns jetzt bei sich im Mother House oder doch im Transitory Home untergebracht? (Kurz vor der Ankunft hatte uns Teddy nochmal eine Nachricht geschrieben, in der sie uns anbot, dass wir zu ihr kommen können, falls es zu hart für uns würde. Wir wussten nicht, was genau sie damit meinte.) Wie würden unsere Tage hier aussehen? Müssen wir selbst Wasser kaufen oder bekommen wir das hier? Essen wir hier im Internat mit den Mädchen gemeinsam?

Viele, viele offene Fragen, die sich mit zu wenig Schlaf in unserem Kopf drehten, während wir am Flughafen auf Teddy warteten. Sie kam – wie versprochen – um kurz nach 10 Uhr mit John, einem Fahrer des Maddo (Caritas) und wir machten uns auf den Weg nach Masaka. Unsere SIM-Karten hatten wir dummerweise bereits am Flughafen gekauft und Mzungu – Preise (Preise für die Weißen) bezahlt. Bevor wir im Transitory Home ankamen, machten wir einen Kurzbesuch bei Anne Namuddu im Mother House, der Gründerin dieses Waisenhauses, in dessen Nähe wir für die nächsten Wochen zu Hause sein würden.

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Hintergründe zu den Einrichtungen hier vor Ort und wie wir hierher gekommen sind

Kurzer Einschub an dieser Stelle zur Erklärung: In den 70er Jahren nach dem Bürgerkrieg und einer Aids-Epidemie entschloss sich Anne, den vielen Halbwaisen zu helfen, und so wurde das Mother House gegründet. Durch ihr Studium in Deutschland und die Arbeit für Caritas stellte sie die nötigen Kontakte her und legte den Grundstein für den Freundeskreis Uganda. Anne ist über 80 Jahre alt und schwerkrank und wird dort unter anderem von Teddy gepflegt. Teddy war unsere Kontaktperson für die Zeit hier in Uganda und wir haben sie in Deutschland bereits kennengelernt und sie hat unsere Unterkunft hier für uns organisiert.

Das Transitory Home wurde in den 90er Jahren mit maßgeblicher Hilfe aus Deutschland (Freundeskreis Uganda e.V.) erbaut und beherbergt derzeit rund 40 Mädchen, die zumeist Halbwaisen sind – zumeist ist mindestens ein Elternteil HIV-positiv.

Teddy, unser Kontakt hier in Uganda, ist eng befreundet mit Familie Heisig in Deutschland. Sie kennen Anne persönlich und organisieren seit Jahrzehnten Hilfe, Besuche, Volunteers, und Geld von Stuttgart-Degerloch aus. Zachers und Heisigs kennen sich schon lange und kennen auch das Projekt schon lange und unterstützen es in der gemeinsamen Kirchengemeinde. Über Regina waren Teddy und früher auch Anne Namuddu auch immer wieder in der Schule in Deutschland zu Besuch.

 

Ankunft im Transitory Home

Nach unserem kurzen Besuch bei Anne im Mother House, kamen wir also im Transitory Home am späten Nachmittag an. Wir bekamen eines der drei Gästezimmer (jeweils zwischen 3 und 5 Betten) zugewiesen und sollten unsere Sachen aber noch nicht auspacken, da es noch einen Zimmertausch geben sollte.

Die Volunteers waren noch unterwegs und würden später aus Kampala zurückkehren, hieß es. Bis dahin versuchten wir den verpassten Schlaf nachzuholen, was uns aber nicht so recht gelingen wollte. Mal lärmten die Mädels vorm Haus, mal dröhnten basslastige Musik und Lautsprecherdurchsagen vor dem Fenster. So richtig wohl fühlten wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Als später Helena, Hannah, Luisa und Gabriel aus Kampala zurückkehrten, bekamen wir unsere ersten Antworten. Die Volunteers aus Deutschland erklärten uns, wie die Tage hier ungefähr ablaufen und viele praktische Dinge zur Hygiene, Malariaprophylaxe und ähnliches. Außerdem kam Florence, die Sekretärin, zu uns mit einem ausgedruckten und übersichtlichen Plan über unsere Aktivitäten für die nächsten 10 Tage. So konnten wirklich viele von den uns ständig beschäftigenden Fragen geklärt werden und wir konnten nach dem Abendessen und unserer ersten kalten Dusche mit schon etwas besserem Gefühl ins Bett gehen. Da uns der Zimmertausch angekündigt war, bauten wir unser eigenes Mosiktonetz noch nicht auf und kuschelten uns also gemeinsam in ein kleines Bett und versuchten so die erste Nacht endlich Schlaf zu bekommen, was uns aber auf Grund der Enge und der wieder lauten Musik nachts immer noch nicht besonders gut gelang.

 

Freitag (5.10.)

Für den Freitag war für uns ein Besuch im Krankenhaus von Kitovu (das ist der Stadtteil, in dem wir uns hier befinden) organisiert worden. Mit Pünktlichkeit haben es die Menschen in Uganda (Afrika generell) nicht ganz so – und so waren wir um 8.30 Uhr abfahrtbereit, wurden aber erst 1,5 Stunden später abgeholt. Der Rundgang durchs Krankenhaus war total spannend. Es gibt jegliche medizinische Abteilungen, untergebracht in verschiedenen Häusern. Die Nutrition-Station, wo unterernährte Babys aufgepäppelt werden, blieb uns im Gedächtnis. Dass die Schwester, die uns herumführte, teilweise die Zimmer zu den Patientenzimmern aufstieß, um uns einen Blick zu ermöglichen, war uns mehr als unangenehm. Manche Ärzte, denen wir vorgestellt wurden, befanden sich mitten im Patientengespräch und unterbrachen es, nur um uns ihre Station und ihre Arbeit kurz zu erläutern – undenkbar in Deutschland. Die Röntgenabteilung mit Röntgengerät und CT fiel von der Sauberkeit und der Bauweise total aus den anderen Abteilungen heraus – vermutlich ein über Spenden realisiertes Projekt. Das Siemens CT Gerät und der Röntgenapparat wirkten noch recht neu. Ein beeindruckendes Erlebnis gleich an unserem ersten richtigen Tag. Wir wollten nicht negativ auffallen durch ständiges Fotografieren und so gibt es nur ein paar wenige Eindrücke von dort.

Am Nachmittag klärte sich die Zimmer-Geschichte nun endlich: Madame Passy (neue Leitung des Transitory Homes seit kurz vor unserer Ankunft) und Teddy wollten uns als Paar gerne eines der Zimmer mit einem kleinen Wohnzimmer davor geben. Dafür hätte Helena mit uns das Zimmer tauschen müssen, die für insgesamt 9 Monate hier in Uganda ist. Da sie den Aufwand scheute, fanden wir uns damit ab, dass unser Zimmer direkt hinter dem Esszimmer für alle Gäste liegt. Wenn wir allerdings gewusst hätten, dass Helena in dem Zimmer gar nicht schläft, sondern bei den anderen Volunteers, hätten wir auf den Wechsel bestanden. Dadurch war aber nun endlich klar, dass wir unser Zimmer nicht mehr wechseln würden und so konnten wir uns endlich häuslich einrichten und damit auch so richtig ankommen. Schrank zwei Meter nach hinten, zwei Einzelbetten zum Doppelbett zusammengeschoben, unser eigenes (nicht durchlöchertes!) Moskitonetz aufgehängt und die Rucksäcke ausgepackt und ab da fühlten wir uns in unserer Bleibe für die nächsten 4 Wochen richtig wohl.

 

Die Mädchen und die Verpflegung

Immer wieder und öfter kamen wir mit den Mädchen aus dem Haus ins Gespräch – Angel und Angel (2 Zwillinge, die an diesem Tag 17 Jahre alt wurden), Stella, Joan (gibt es dreimal), und ein paar mehr haben wir schon richtig ins Herz geschlossen. Das Namen lernen fällt uns noch schwer. Alle Mädchen tragen die Haare kurz, viele tragen eine Art Schuluniform und so sehen sie sich teils zum Verwechseln ähnlich. Da haben es die Mädchen mit uns leichter.

Wir bekommen 5 Mahlzeiten am Tag, die von 3 der Mädchen vorbereitet und serviert werden (die besten aus der Kochklasse dürfen das machen – es ist eine große Ehre für sie). Frühstück um 8 Uhr, Teatime um 10 Uhr, Lunch um 13 Uhr, nochmals Teatime um 17 Uhr und Abendessen um 20 Uhr. Unser Essen ist einfach, aber sehr gut – hin und wieder gibt es Fleisch, oft Reis oder Nudeln mit Bohnen-Gemüse. Pfannkuchen, Samosa und ähnliches … wir sind bisher sehr zufrieden, zumal wir mit deutlich einfacherem Essen gerechnet hatten. Die Mädchen essen täglich Mais-Porridge und Maisbrei mit Bohnen. Klar, dass da die Abwechslung fehlt – über 4 unserer Bananen und 3 Äpfel, die wir noch aus Südafrika übrig hatten, freuten sie sich riesig. Wir erklärten ihnen, dass wir uns das Obst oft morgens ins Porridge schneiden, und als wir ihnen das zeigen wollten, wurde uns bewusst, dass sie nicht einmal Bananen bekommen, obwohl sie diese um das Transitory Home herum selbst anbauen und die Plantagen barfuß mit Hacken pflegen. Insgesamt geht es den Mädchen gut und wir können auch nur beobachten und die Mädchen fragen, was sie gerne haben möchten und was sie so bekommen.

 

Samstag (6.10.)

Samstag waren wir mit Madame Passy auf einem 25-jährigen Jubiläum eines bekannten Bischofs eingeladen. Die verspätete Abfahrt hatten wir schon vorausgeahnt und wir können mit diesen Verspätungen mittlerweile gut umgehen und haben uns dem Tempo Ugandas angepasst. Wir stehen zur geforderten Zeit bereit und wissen aber dann, dass wir uns noch beschäftigen können und aber jederzeit mit einer Abfahrt rechnen müssen. So schreiben wir in diesen Zeiten im Moment oft Tagebuch, um euch endlich den ersten Beitrag zu Uganda online stellen zu können. Im kleinen Bus ging es 45 Minuten in einen anderen Stadtteil. Der „Festplatz“ war einfach zwischen ein paar Häusern aufgebaut, der Boden – wie immer: rote Erde – eine Dachkonstruktion mit Holzbalken und löchrigen Zeltplanen schützte vor der Sonne. Wir bekamen Plätze zugewiesen und verfolgten den Gottesdienst auf Luganda, so gut es ging. Kurz vor Ende kam es zu einem Wolkenbruch – die Planen ließen an vielen Stellen Wasser durch, man rückte enger zusammen, der Gottesdienst ging unbeirrt seinen Gang, während wir im Matsch standen und uns über die bald auftauchenden Moskitos Gedanken machten. Nach dem Gottesdienst wollten einige Pfarrer mit uns Fotos machen, es gab noch 3 andere Weiße, einer von Ihnen war in seiner Funktion als Pfarrer aus Trossingen angereist. Plötzlich kam Madame Passy und sagte: „We have to go, we got an appointment.“ Sie führte uns zwischen zwei kleinen Häusern hindurch, bis wir mitten im Wald zwischen riesigen Töpfen standen. Uns wurde klar, dass hier der Catering-Service bei der Arbeit war, und wir staunten nicht schlecht. Sie stellte uns an einen langen Tisch und holte Gabriel und Matze zu sich in die „Küche“. Als die beiden ein großes, blaues Fass Reis nach oben an die Tafel trugen, wurde uns schlagartig klar: Wir waren für die Essensausgabe der Kinder zuständig. Wir freuten uns über diese Aufgabe, auch wenn wir völlig überfahren waren. Über 200 Kinder sollten schnellstmöglich mit Matooke, Reis, Soße und einem Stück Fleisch versorgt werden. Der Ton uns gegenüber war rau, aber wir gaben unser bestes und schwitzten über eine Stunde beim Schöpfen und Nachschub holen. Als Dank wollte Madame Passy uns nun etwas zum Essen organisieren, was wir aber dankend ablehnten, nachdem wir die Wasserbedingungen und die Buschküche gesehen hatten. Im Nachhinein hätten wir vermutlich ohne Probleme essen können. Das, was Passy sich selbst holte, war frittiert und abgekocht. Die Geschichte von einem anderen Mädchen aus Deutschland, das in der ersten Woche trotz Impfung Typhus bekommen hatte, schwebte sicher etwas im Hinterkopf.

Wir tranken Cola und Sprite und lauschten noch etwas der Musik und beobachteten die Tänzer, bevor wir den Rückweg antraten. Es stellte sich heraus, dass Passy etwas gekränkt war, weil wir das Essen abgelehnt hatten. Sie dirigierte ihren Fahrer zu einem kleinen Kiosk und kaufte uns afrikanische Fasnetsküchle („Donut“). Dass wir überhaupt nichts gebraucht hätten, verstand sie nicht so recht – alle von uns waren nicht hungrig. Aber wir aßen und waren dann doch froh, etwas im Magen zu haben. Es dauerte etwas, bis Passys Laune wieder besser wurde. Sie ist manchmal etwas schwer einzuschätzen und macht Scherze, die sie aber nach unserem Gefühl zu lange nicht auflöst.

Zurück bei den Mädchen im Haus entschieden wir uns trotz der Erschöpfung, mit den Mädchen unser Fitnessprogramm (Danke, Philipp 😉 ) durchzuziehen. Die anderen Deutschen hatten sich in Masaka absetzen lassen. Die Mädchen hatten großen Spaß und wir werden versuchen, den Sport zu ritualisieren und an die Gegebenheiten hier anzupassen. Danach begleiteten wir die Mädels zum täglichen Abendgebet, leider ist es diesen Monat weniger musikalisch als sonst, da diesen Monat Rosenkränze gebetet werden wegen des Marienmonats.

Nach dem Abendessen gingen wir ins Bett, stellten noch kurz den letzten Südafrika-Beitrag online, damit wir heute (Sonntag) den ersten Bericht aus Uganda hochladen können.

 

Sonntag (07.10.)

Heute Morgen waren wir um 7 Uhr gemeinsam im Gottesdienst. Die Gebete und Gottesdienste sind für uns alle freiwillig. Natürlich fällt es schwer, während einer Predigt auf Luganda wach zu bleiben, aber die Musik und die Atmosphäre in der Kirche lassen uns dort gut abschalten und in den Köpfen arbeitet es: Womit und wie können wir die Mädchen hier unterstützen …

Der Sonntag verläuft sehr entspannt, zwischen spätem Frühstück (wir haben den Koch-Mädchen gesagt, dass wir wollen, dass sie in die Kirche gehen können und wir ab jetzt sonntags immer erst um 10 Uhr frühstücken. Andernfalls würden sie zu Hause bleiben und auf die von ihnen heiß ersehnte Kirche verzichten, nur um uns Frühstück zu machen, bis wir zurück sind.) Zwischen Frühstück und Mittagessen schreiben wir euch diese Zeilen. Ansonsten sehen wir, was nach einem Mittagsschlaf der Rest des Sonntags noch bringen wird. Das Fitnessprogramm um 17 Uhr ist der einzige bisherige Fixpunkt.

Sicherlich merkt ihr wegen der Länge dieses Beitrags, dass es viel zu erzählen und zu erklären gibt. Hoffentlich ist auch deutlich geworden, dass es uns nach einer etwas schwierigen und holprigen Ankunft hier nun sehr gut geht. Wir denken, jeder Mensch sollte so etwas einmal am eigenen Leib erleben und gesehen haben.

 

Bis ganz bald …. Viele Grüße!

*Weleba* (Tschüss)

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